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Diakonie-Magazin 2019/20

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Notfall Wohnen

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Liebe Leserin, lieber Leser,  

nach 2013 berichten wir im diesjährigen Magaziån zum zweiten Mal über Wohnungsnot in Hamburg. Wir tun dies, weil die Situation weiterhin dramatisch ist und unsere Arbeit in vielen Bereichen sehr erschwert. Wenn Menschen über keine Wohnung oder nur über krankmachenden oder völlig unzureichenden Wohnraum verfügen, stehen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit leeren Händen da.

In Hamburg werden so viele Wohnungen gebaut wie seit Jahren nicht mehr. Aber die Mieten steigen weiter. Und die Wohnungssuche bleibt schwierig. Am härtesten trifft es diejenigen, die es auf dem Wohnungsmarkt am schwersten haben. Eine Wohnung zu haben, darf aber kein Privileg sein! Tatsächlich ist das Haupthindernis, eine Wohnung zu bekommen: Armut.

Haben Sie schon mal einem Kind erklären müssen, warum ein Mensch bei Wind und Wetter in einem Hauseingang in einem Schlafsack liegt? Wie ging es Ihnen dabei? Für mich spricht aus dem Skandal der Obdachlosigkeit und der Wohnungsnot von so vielen Benachteiligten in unserer reichen Stadt eine große Härte und Unbarmherzigkeit im Umgang miteinander. Ich bin überzeugt: Wir könnten das ändern, wenn wir es wirklich wollen.

Zwar hat die Stadt Hamburg 2015 ein „Sofortprogramm zur Versorgung von vordringlich Wohnungsuchenden“ verabschiedet. Doch seine Maßnahmen werden dem Ausmaß der Krise nicht gerecht. Und die Situation der Betroffenen ist so prekär, dass wir keine Zeit haben, auf Besserung zu warten.

Deshalb starteten wir im Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik Ende August die Kampagne #einfachwohnen zusammen mit Stattbau Hamburg, Mieter helfen Mietern und dem Caritasverband für Hamburg. Gemeinsam wollen wir dafür sorgen, dass das Thema Wohnungsnot die Aufmerksamkeit erhält, die es verdient.

Was Benachteiligte bei der Wohnungssuche erleben, warum so viele unversorgt bleiben und wie wir in Hamburg endlich ausreichend Wohnraum für vordringlich Wohnungsuchende schaffen können, darüber lesen Sie mehr in unserer Reportage.  

Ihr Landespastor Dirk Ahrens
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Seit rund 20 Jahren gibt es in Hamburg die Kirchenkaten: kleine einfache Häuschen oder auch Container, von Kirchengemeinden aufgestellt und vermietet an obdachlose Menschen. 28 Kirchenkaten sind es insgesamt.

Ciprian P. wohnt seit einigen Monaten in einer Kirchenkate bei einer Gemeinde im Norden Hamburgs. Der Container ist klein und karg. Ciprian P. hat sich gefreut, hier einziehen zu dürfen, bis zu zwei Jahre kann er bleiben. In dieser Zeit hofft er, eine Wohnung zu finden. Der gebürtige Rumäne lebte seit Jahren in Hamburg auf der Straße. Er engagiert sich ehrenamtlich im Diakonie-Zentrum für Wohnungslose (DZW), der Tagesaufenthaltsstätte der Diakonie in der Bundesstraße.

Über das DZW werden die Plätze in den Kirchenkaten vermittelt. DZW-Leiterin Melanie Mücher betont: „Angebote wie die Kirchenkaten als Übergang in eine richtige Wohnung sind sehr wichtig. Sie sind auch ein Zeichen, dass es Wege gibt, die herausführen aus der Obdachlosigkeit.“
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Wer keine Wohnung hat, trägt sein Hab und Gut notgedrungen bei sich. Im „Stützpunkt“ in der Norderstraße können obdachlose Menschen tagsüber kostenlos ihr Gepäck einschließen.

Die Caritas betreibt die Einrichtung seit 2003 mit Unterstützung des Runden Tisches St. Jacobi, an dem Kaufleute, soziale Initiativen und Behördenvertreter zusammenkommen. Außerdem arbeitet der „Stützpunkt“ eng mit der Straßensozialarbeit der Diakonie zusammen.

Bis auf sonntags ist die Einrichtung jeden Morgen und jeden Abend jeweils für zwei Stunden geöffnet. Die Schließfächer sind stark nachgefragt. Manche nutzen ihr Schließfach nur wenige Tage, andere über Jahre. Auf Wunsch erhalten sie auch Sozialberatung und Begleitung zu Behördenterminen.

Dazu „Stützpunkt“-Leiter Nikolas Borchert: „Viele unserer Tagesgäste sind so desillusioniert, dass sie sich mit ihrer Obdachlosigkeit abfinden. Arbeit finden sie – eine Wohnung dagegen kaum.“ Umso wichtiger, bei einer Wohnungsbesichtigung nur mit leichtem Gepäck zu erscheinen.
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Gabriel M. steht am offenen Fenster einer freundlichen Gemeinschaftsküche. Er lebt seit einigen Monaten zum Übergang bei der Neuen Wohnung. Die gemeinnützige GmbH gehört zur Behrens-Stiftung; sie ist Diakonie-Mitglied und arbeitet zum Beispiel mit der Straßensozialarbeit der Diakonie zusammen.

Männer und Frauen, die obdachlos waren, erhalten im Haus Beratung und Begleitung. Sie bleiben im Schnitt ein knappes Jahr, die meisten können danach in eine Wohnung mit eigenem Mietvertrag ziehen. Teils im Bestand der Behrens-Stiftung; teils bei weiteren Wohnungsunternehmen, mit denen es Vereinbarungen gibt.

Die Stiftung hat ein Wohnhaus für ehemals Obdachlose in Altona errichtet, ein zweites Projekt in Schnelsen steht kurz vor Baubeginn. Geschäftsführer Reiner Schäfer: „Wenn wir geeignete Grundstücke bekämen und andere sich anschließen, dann könnten wir sehr dazu beitragen, dass die Straßenobdachlosigkeit nachhaltig verringert wird und hoffentlich in fünf bis zehn Jahren niemand mehr auf der Straße schlafen muss.“
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Herausgeber
Diakonisches Werk Hamburg
Landesverband der Inneren Mission e.V.
Königstraße 54
22767 Hamburg
Telefon 040 30 62 0-231
Fax 040 30 62 0-315
info@diakonie-hamburg.de
www.diakonie-hamburg.de
  
Konzeption, Redaktion, Texte
Steffen Becker (verantwortlich)
Detlev Brockes www.detlevbrockes.de
Anke Pieper www.ankepieper.de (Reportage)

Fotos
Karin Desmarowitz, Bjorgvin, hanohiki - stock.adobe.com    

Zahlen und Fakten
Bianca Carstensen

Gestaltung und Infografiken
Stephanie Haase

Umsetzung für Pageflow
Xenia Kalkmann

Druck
Druckerei Zollenspieker Kollektiv GmbH, Hamburg

Papier
Gedruckt auf 100% Recyclingpapier,
zertifiziert mit dem Blauen Engel.

Auflage
10.000




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Reportage

Silke N. durfte ihren Hund pooky mitbringen in die Unterkunft Harburg-Huus. Seit Jahren begleitet er sie durch dick und dünn.
Silke N. durfte ihren Hund pooky mitbringen in die Unterkunft Harburg-Huus. Seit Jahren begleitet er sie durch dick und dünn.
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Jeden Morgen räumt Silke N. (Name geändert) ihre Sachen in einen kleinen Spind auf dem Flur. Dann zieht sie ihre Bettwäsche ab. Sie stopft Kissenbezug, Laken und Deckenbezug in einen Wäschesammler und nimmt sich aus einem Schrank eine neue Garnitur. Jeden Tag das Bett frisch zu beziehen, das gehört zu den Regeln im Harburg-Huus, wo Silke N. übernachtet. Dort legt man angesichts ständig wechselnder Gäste großen Wert auf Hygiene. Sie teilt sich ein helles, sauberes Zimmer mit zwei Stockbetten mit drei anderen Frauen. Spätestens um 11 Uhr muss sie das Haus verlassen. Erst heute Abend ab 18 Uhr darf sie wieder hinein.

Silke N. ist Mitte 50 und seit Dezember wohnungslos. „Gestern war ich wieder bei einer Wohnungsbaugenossenschaft“, erzählt sie, „ich habe mich vorgestellt und dann gefragt, ob sie mich auf die Liste der Interessenten setzen könnten. Die Frau am Empfang war richtig ruppig. Nein, auf die Liste käme ich nicht. Und es hätten sich schon viele andere Menschen in ähnlicher Lage gemeldet. Und damit war das Gespräch beendet.“ Wir begleiten sie in den Harburger Stadtpark, bei gutem Wetter so etwas wie ihr Wohnzimmer. Sie erzählt, dass sie sich in den letzten Monaten schon bei vielen Wohnungsunternehmen vorgestellt hat. Manchmal klangen die Absagen freundlicher, aber gefunden hat sie bisher nichts.

Silke N. hat zwei Töchter allein erzogen. Als die Jüngere ihr Abitur in der Tasche hat, ins Ausland geht und sie plötzlich nur noch für sich selbst sorgen muss, fühlt sich ihr Leben leer an. Die Dreizimmerwohnung scheint ihr viel zu groß. Und für den Job in der Gastronomie, der oft bis in die
Morgenstunden ging, fehlt ihr die Kraft. Sie kündigt. Die Post öffnet sie nicht mehr. Die Hilfe ihrer Töchter lehnt sie ab. „Ich wusste genau, was passieren würde, aber ich konnte nicht anders“, erzählt sie. Die Ärzte diagnostizierten eine Depression. Es kam zur Zwangsräumung. „Ich hatte eine ganz schwere Zeit“, sagt sie rückblickend.

Mittlerweile geht es ihr besser, sie sucht mithilfe des Jobcenters eine neue berufliche Perspektive. Aber auch dort hört sie: „Sie brauchen zuerst eine Wohnung.“ Silke N. gehört zu den knapp 12.000 Haushalten in Hamburg, die als vordringlich wohnungsuchend gemeldet sind. „Was mir am meisten fehlt, ist eine Tür, die ich hinter mir schließen könnte“, sagt sie.

Dauergäste in der Beratungsstelle

Das Harburg-Huus ist eine Einrichtung des Deutschen Roten Kreuzes. Von hier wurde Silke N. Kontakt zur Sozialen Beratungsstelle in Harburg vermittelt, die von Diakonie und Heilsarmee getragen wird. Dort treffen wir auch Bassam A. wieder, den wir für das DiakonieMagazin 2018 interviewt hatten. Ein Geschäftsmann, der nach der Insolvenz seine Wohnung verloren hat. Seitdem übernachtet er nach wie vor bei Freunden. Wer weiß, wie lange die ihn noch dulden. Er ist krank und resigniert. „Es ist beunruhigend, wie wenig wir tun können für Wohnungslose“, sagt Martina Scholthaus von der Beratungsstelle. Die Sozialpädagogin macht eine Pause. „Wissen Sie, als ich hier anfing, hatte ich noch gehofft, dass wir irgendwann überflüssig werden.“

Das Team versucht, wo immer es geht, Mietverhältnisse zu sichern und Zwangsräumungen abzuwenden. Aber manche Menschen kommen erst, wenn es dafür schon zu spät ist.
„Für unsere Klienten bräuchten wir vor allem Ein- bis Eineinhalb-Zimmer-Wohnungen mit einem Mietpreis, der vom Jobcenter akzeptiert wird“, erläutert Martina Scholthaus. Die Beratungsstelle arbeitet eng zusammen mit der bezirklichen Fachstelle für Wohnungsnotfälle und ist gut vernetzt mit vielen Vermietern im Harburger Raum, mit der SAGA, Genossenschaften und auch privaten Vermietern. Trotzdem gelingt es kaum noch, Klienten in Wohnungen zu vermitteln. 2018 nur ein einziges Mal.
Silke N. durfte ihren Hund pooky mitbringen in die Unterkunft Harburg-Huus. Seit Jahren begleitet er sie durch dick und dünn.
Silke N. durfte ihren Hund pooky mitbringen in die Unterkunft Harburg-Huus. Seit Jahren begleitet er sie durch dick und dünn.
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Oliver B. spricht bei #einfachwohnen über seine erfolglose Wohnungssuche.
Oliver B. spricht bei #einfachwohnen über seine erfolglose Wohnungssuche.
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Dringlichkeitsscheine ohne Wert
Diese Misere hat mehrere Ursachen. Erstens gibt es viel weniger Sozialwohnungen, als in Hamburg eigentlich gebraucht würden. Auf eine Sozialwohnung kommen inzwischen fünf Haushalte, die Anspruch darauf hätten. Und Jahr für Jahr endet bei mehreren Tausend Bestandswohnungen die Mietpreisbindung (s. Kurz erklärt). So gehen deutlich mehr Wohnungen verloren, als neue fertiggestellt werden.

Für Wohnungslose wie Silke N. oder Bassam A. sind normale Sozialwohnungen ohnehin kaum erreichbar. Beide haben einen Dringlichkeitsschein bzw. eine Dringlichkeitsbestätigung, was bedeutet, dass sie Hilfe benötigen bei der Versorgung mit
Wohnraum.

Für sie gibt es ein Kontingent an Wohnungen, die sogenannten WA-Wohnungen, die meisten davon bei der SAGA. Und die SAGA erfüllt seit Jahren ihre Verpflichtung, jährlich 2.000 vordringlich wohnungsuchende Haushalte mit Wohnungen zu versorgen. Auch die 13 Genossenschaften, die Kooperationsverträge unterzeichnet haben, erreichen die Zielzahlen. So konnten im letzten Jahr 3.738 vordringlich wohnungsuchende Haushalte versorgt werden. Doch das Problem ist: Es gab im gleichen Zeitraum beinahe 12.000 Haushalte mit Dringlichkeitsschein, denen keine Wohnung vermittelt werden konnte. Es wird also eine ganze Menge getan – aber bei Weitem nicht genug.

Das Diakonische Werk Hamburg macht seit Jahren auf das Problem aufmerksam und hat sich mit Caritas, Mieter helfen Mietern und Stattbau im „Hamburger Bündnis für eine neue soziale Wohnungspolitik“ zusammengeschlossen. Weil sich die Lage in den letzten Jahren weiter zugespitzt hat, fordert das Bündnis in der Kampagne #einfachwohnen ein konsequenteres und mutigeres Handeln der Stadt.

Bei der Auftaktveranstaltung von #einfachwohnen im August am Jungfernstieg spricht Oliver B., ein Betroffener. Er ist dazu bereit, weil er findet, dass das Thema mehr Öffentlichkeit braucht. Er war zwei Monate in Haft, weil er schwarzgefahren ist. Sein Fazit nach mehreren Monaten Wohnungssuche: „Niemand will an einem Haftentlassenen vermieten.“ Wenigstens fand er nach der Haft eine vorübergehende Unterkunft und Unterstützung beim Fürsorgeverein. „Viele landen nach der Entlassung direkt auf der Straße“, erzählt er.

Sechs Jahre Wohnungssuche
Sehr schwierig ist die Wohnungssuche auch für Menschen in öffentlicher Unterbringung. Dina T. (Name geändert), die mit ihren Kindern auf der Veddel in einer städtischen Gemeinschaftsunterkunft lebt, wird vom Jugendamt regelrecht unter Druck gesetzt, endlich in eine gesündere Wohnung umzuziehen. Nichts würde sie lieber tun. In dem heruntergekommenen Altbau, in dem fördern & wohnen sie untergebracht hat, sind die Wände schimmelig, im Flur tropft Wasser durch die Decke, ein funktionstüchtiges Bad gibt es nicht. Ihre Kinder leiden unter Atemwegserkrankungen. Dina T., die einen sicheren Aufenthaltstitel hat und Arbeitslosengeld II bezieht, sucht schon seit 2013 eine Wohnung. Seit sechs Jahren ist sie dabei nicht vorangekommen.

Stadtteildiakonin Uschi Hoffmann macht ihr wenig Hoffnung. „Für Alleinerziehende aus einer Unterkunft heraus eine Wohnung zu finden, ist so gut wie aussichtslos.“ So zahlt die Stadt jahraus jahrein für die öffentliche Unterbringung von Dina T.s Familie in einer krankmachenden Bleibe. Ein Vielfaches von dem Geld übrigens, das man bräuchte, um für sie und ihre Kinder eine normale Wohnung anzumieten. Aktuell leben rund 5.500 Menschen in öffentlich-rechtlicher Unterbringung, wohnberechtigte Zuwanderer nicht gerechnet.
Oliver B. spricht bei #einfachwohnen über seine erfolglose Wohnungssuche.
Oliver B. spricht bei #einfachwohnen über seine erfolglose Wohnungssuche.
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Leer stehende Wohnungen trotz Wohnungsnot: Hier ein Haus in Altona, in dem seit sechs Jahren niemand mehr wohnt.
Leer stehende Wohnungen trotz Wohnungsnot: Hier ein Haus in Altona, in dem seit sechs Jahren niemand mehr wohnt.
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Leerstand mitten in Hamburg
In diesem Haus hätten alle Platz: Silke N., Bassam A. und Dina T. mit ihrer Familie. In den 1990ern gebaut, steht es in einer ruhigen Wohnstraße in Altona-Nord, mit Kita und Grundschule in der Nähe und S-Bahn-Anschluss. Und es steht leer. Zwölf Wohnungen, in denen seit sechs Jahren niemand wohnt. Nachbarn haben es mehrmals dem Bezirk Altona angezeigt, 2013 das erste Mal.

Pressetermin vor dem Haus: An der Fassade wird ein Transparent befestigt, Umzugskartons der Kampagne #einfachwohnen stapeln sich vor dem Eingang. Mehrere Reporter sind vor Ort. Diakonie-Chef Dirk Ahrens tritt vor eine TV-Kamera: „In einer Lage, wo Dringlichkeitsscheine nichts mehr wert sind, darf die Stadt keinen Leerstand dulden. Leerstehende Häuser wie dieses können direkt genutzt werden für vordringlich Wohnungsuchende. Hier könnte die Stadt viel Geld sparen, weil sie für diese Menschen nicht neu bauen muss.“ Voraussetzung dafür sei aber, dass die Stadt Leerstandsmeldungen konsequent nachgeht. Maximal vier Monate darf eine Wohnung leer stehen, sonst drohen Bußgelder. Bisher werden die aber nur selten verhängt.

Rund 1.200 leer stehende Wohnungen gibt es nach Schätzungen in Hamburg. Dirk Ahrens fordert ein Umdenken: „Wir können mit den leer stehenden Wohnungen allein das Problem nicht lösen, aber es wäre ein wichtiger Schritt.“
Leer stehende Wohnungen trotz Wohnungsnot: Hier ein Haus in Altona, in dem seit sechs Jahren niemand mehr wohnt.
Leer stehende Wohnungen trotz Wohnungsnot: Hier ein Haus in Altona, in dem seit sechs Jahren niemand mehr wohnt.
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Frauen, die aus dem Frauenhaus heraus eine Wohnung suchen, haben es schwer. Esra L. ist sehr froh, dass sie mit ihren drei Kindern schließlich doch eine erhalten hat.
Frauen, die aus dem Frauenhaus heraus eine Wohnung suchen, haben es schwer. Esra L. ist sehr froh, dass sie mit ihren drei Kindern schließlich doch eine erhalten hat.
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Wer auszieht, hat verloren
Die Furcht vor der nächsten Mieterhöhung, vor Privatisierung und Verdrängung gehört für viele in Hamburg zum Alltag, nicht nur für Geringverdiener. Wohnungswechsel werden vermieden, wo immer es geht. Wenn Frauen allerdings Gewalt durch ihren Partner erleiden, haben sie keine Wahl. Sie müssen sich und ihre Kinder in Sicherheit bringen und aus der gemeinsamen Wohnung fliehen. Fünf Frauenhäuser gibt es in Hamburg, sie sind voll belegt, ein sechstes ist in Planung. Die meisten Frauen, die hier Hilfe erhalten, sind nach zwei bis drei Monaten in der Lage, sich auf Wohnungssuche zu begeben.

So wie Esra L. (Name geändert), die aus Tunesien stammt und mit ihren drei kleinen Kindern in Hamburg lebt. Sie erzählt: „Angefangen hatte ich mit Telefonanrufen, aber wenn du nicht perfekt Deutsch sprichst, wirst du schnell abgewimmelt.“ Esra L. ließ sich bei Formulierungen helfen und bewarb sich Woche für Woche auf zehn oder sogar mehr Angebote per E-Mail. Sie erhielt meist gar keine Antwort. Ein paar Einladungen zu Wohnungsbesichtigungen bekam sie aber doch. Sie fuhr dann kreuz und quer durch Hamburg und stellte sich den Vermietern vor. Stundenlang war sie unterwegs, geholfen hat es nicht:
„Die Leute wünschen dir viel Glück und das war’s.“ Wenn sie zurückkam von Besichtigungsterminen, fragte ihre Tochter: „Mama, hast du eine Wohnung für uns gefunden?“ Ein Dreivierteljahr macht sie das. Dann wird sie krank. „Ich hatte Schmerzen im Nacken, am Rücken, überall. Ich habe geweint, war völlig am Ende.“ Alle ihre Anstrengungen waren vergeblich.

Esra L. hatte schließlich doch noch Glück. Das Frauenhaus arbeitet mit Vivienda, einem Projekt der Lawaetz − wohnen&leben gGmbH zusammen. Die Mitarbeiterinnen unterstützen Frauenhausbewohnerinnen und ihre Kinder im Auftrag der Sozialbehörde bei der Wohnungssuche, stellen Kontakt zu Vermietern her und begleiten zu Terminen und Besichtigungen. Nach dem Abschluss eines Mietvertrages können sie die Frauen noch einige Monate begleiten, stehen in allen Fragen zur Wohnung beratend zur Seite und sind beim Bezug der Wohnung behilflich. Den Vermietern bietet das Projekt zusätzliche finanzielle Absicherungen an. 2019 hat Vivienda mehr als 60 Frauen und ihre Kinder in Wohnungen vermittelt, meist an die SAGA, an Wohnungsbaugenossenschaften, aber auch an private Vermieter. Aber bei mehr als 200 Plätzen in Frauenhäusern ist der Bedarf deutlich größer.

Esra L. wohnt jetzt mit ihren drei
Kindern in einer Dreizimmerwohnung in der Nähe des Hafens. Die Kleinen besuchen eine Kita, die Tochter geht zur Schule, demnächst macht Esra L. einen Deutschkurs. „Die Zusammenarbeit mit Vivienda ist wirklich positiv“, sagt Stefanie Leich vom Frauenhaus der Diakonie. „Ohne dieses Programm gäbe es so gut wie überhaupt keine Vermittlungen mehr.“
Frauen, die aus dem Frauenhaus heraus eine Wohnung suchen, haben es schwer. Esra L. ist sehr froh, dass sie mit ihren drei Kindern schließlich doch eine erhalten hat.
Frauen, die aus dem Frauenhaus heraus eine Wohnung suchen, haben es schwer. Esra L. ist sehr froh, dass sie mit ihren drei Kindern schließlich doch eine erhalten hat.
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Helmut Trummel von der Sozialen Beratungsstelle Harburg und Silke N. waren gerade bei einem weiteren Wohnungsunternehmen - ohne Erfolg.
Helmut Trummel von der Sozialen Beratungsstelle Harburg und Silke N. waren gerade bei einem weiteren Wohnungsunternehmen - ohne Erfolg.
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Wohnungslose können nicht warten
Wir treffen Silke N. ein zweites Mal. Sie sieht müde aus. Sie kommt von einem weiteren Termin bei einem Wohnungsunternehmen, Helmut Trummel von der Sozialen Beratungsstelle hat sie begleitet. Obwohl sie alle Voraussetzungen für eine WA-Wohnung erfüllt, wurde sie am Ende als Mieterin abgelehnt. Ohne Begründung. Auch Helmut Trummel ist verärgert, das spürt man.

So langsam kommt Silke N. die Hoffnung abhanden. Sie war mittlerweile schon bei so vielen Wohnungsunternehmen. Wie soll es jetzt weitergehen? Sie setzen sich für ein kurzes
Gespräch in ein Café, Helmut Trummel holt die Akte raus. Silke N. hat Mietschulden angehäuft, nicht gezahlte Miete plus Räumungskosten. Die bezirkliche Fachstelle für Wohnungsnotfälle kann bis zu einer gewissen Höhe Mietschulden übernehmen und auch im Falle neuer Mietrückstände einspringen. Trotz dieser Sicherheiten kann ein Wohnungsunternehmen, auch wenn es eine passende freie Wohnung hat, ohne Angabe von Gründen einen Bewerber mit Dringlichkeitsschein ablehnen.

Auch die SAGA, die die meisten WA-Wohnungen in Hamburg hat, Silke N.s ehemalige Vermieterin. Die Soziale Beratungsstelle Harburg hat mitgeholfen bei den Behördengängen, auch der Antrag auf ALG II ist durch. Silke N. rennt die Zeit davon. Sie muss schnell eine Wohnung finden. Helmut Trummel hat trotz der vielen Ablehnungen, die Silke N. inzwischen erhalten hat, immer noch Ideen, was sie versuchen können. Aber viele sind es nicht mehr. „Wir müssen auf jeden Fall verhindern, dass Sie obdachlos werden“, mahnt Helmut Trummel.
Helmut Trummel von der Sozialen Beratungsstelle Harburg und Silke N. waren gerade bei einem weiteren Wohnungsunternehmen - ohne Erfolg.
Helmut Trummel von der Sozialen Beratungsstelle Harburg und Silke N. waren gerade bei einem weiteren Wohnungsunternehmen - ohne Erfolg.
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Tobias Behrens von der Stattbau Hamburg GmbH sieht großes Potenzial für einen sozial ausgerichteten Wohnungsbau bei den Wohnstiften.
Tobias Behrens von der Stattbau Hamburg GmbH sieht großes Potenzial für einen sozial ausgerichteten Wohnungsbau bei den Wohnstiften.
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„Perlen polieren“: Soziale Investoren werden aktiv
Zwar werden in Hamburg zurzeit so viele Wohnungen gebaut wie schon lange nicht mehr, aber kaum für vordringlich Wohnungsuchende oder für die rund 2.000 Obdachlosen. Es gibt jedoch einige Investoren, die hier tätig sind und die bereit und in der Lage sind, zukünftig mehr zu tun. Darunter solche, die kaum jemand im Blick hat.

In der Initiative „Perlen polieren“ schließen sich gerade viele Hamburger Wohnstifte und Stiftungen zusammen, manche sind schon seit über 150 Jahren tätig, um Alten, Menschen mit
Behinderung, mit psychischen Problemen oder Wohnungslosen ein Zuhause zu geben. Bisher mit hanseatischer Zurückhaltung. Aber das soll sich ändern. An der Entstehung der Initiative ist die Stattbau Hamburg GmbH maßgeblich beteiligt. Geschäftsführer Tobias Behrens sitzt in seinem großen Besprechungsraum. Stattbau berät und betreut kleinere Bauprojekte, darunter junge Genossenschaften, Baugemeinschaften, Wohn-Pflegegemeinschaften und neuerdings häufiger Wohnstifte. Fotos von bunten Neubauten hängen hinter ihm, Projekte, zu deren Realisierung Stattbau in den letzten 35 Jahren beigetragen hat. Tobias Behrens findet: „Wenn die traditionellen Wohnungsunternehmen zögern, dann können andere die dringend benötigten Impulse geben. Investoren, die das wirtschaftliche Potenzial und das Know-how haben: Da sehe ich vor allem die gemeinnützigen Wohnstiftungen.“

Gemeinwohl statt Rendite
Sie besitzen Immobilien in bester Lage. Aber manche müssen dringend saniert und barrierefrei umgebaut werden. Die Stadt hat die Bedeutung der Stifte und Stiftungen erkannt und richtet gerade eine Koordinierungsstelle für sie ein. Sie wird zunächst für einen Überblick über die Stiftungslandschaft sorgen. Denn niemand weiß genau, wie viele Stiftungen es in Hamburg gibt und wie viel Wohnraum sie verwalten. Vorsichtige Schätzungen gehen von rund 10.000 Wohnungen aus, davon etliche auch bei den im Diakonischen Werk organisierten Stiftungen.

Zu den Wohnungen kommen Grundstücke, die teilweise noch Platz für Erweiterungen oder neue Gebäude bieten. Aber Experten sehen über mögliche Nachverdichtung im Bestand hinaus noch deutlich größeres Potenzial.

„Die Stiftungen könnten in Zukunft gemeinsam größere Projekte realisieren“, hofft Tobias Behrens. Stiftungen zielen nicht auf Rendite ab, sie fühlen sich dem Gemeinwohl verpflichtet. „Vielleicht beteiligen sie sich in Zukunft an Bauprojekten in Wilhelmsburg oder etwa in Oberbillwerder. Warum nicht auch mit 500 Wohnungen oder mehr? Ich halte das für gut möglich. Die Stadt sollte sie einbinden in die Stadtentwicklung und viel stärker berücksichtigen bei der Grundstücksvergabe. Denn was den Stiftungen für neue Projekte in erster Linie fehlt, ist Baugrund.“







Tobias Behrens von der Stattbau Hamburg GmbH sieht großes Potenzial für einen sozial ausgerichteten Wohnungsbau bei den Wohnstiften.
Tobias Behrens von der Stattbau Hamburg GmbH sieht großes Potenzial für einen sozial ausgerichteten Wohnungsbau bei den Wohnstiften.
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Bei der Grundsteinlegung für das Hinz&Kunzt-Haus in St. Georg: Johannes Jörn, Vorstand der Amalie Sieveking-Stiftung hält die aktuelle Ausgabe des Straßenmagazins in der Hand. Sie wird gleich in kupferne Zeitkapsel gelegt.
Bei der Grundsteinlegung für das Hinz&Kunzt-Haus in St. Georg: Johannes Jörn, Vorstand der Amalie Sieveking-Stiftung hält die aktuelle Ausgabe des Straßenmagazins in der Hand. Sie wird gleich in kupferne Zeitkapsel gelegt.
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Grundstein für ein neues Zuhause
Mitten in St. Georg wird feierlich ein Grundstein gelegt. In die Zeitkapsel geben die Beteiligten neben einer Tageszeitung auch die aktuelle Ausgabe von Hinz&Kunzt. Gebaut wird hier die neue Geschäftsstelle des Straßenmagazins und außerdem ein gemeinschaftliches Wohnprojekt für 24 Verkäuferinnen und Verkäufer.

Seit Jahren war schon über dieses Projekt nachgedacht worden. Das Finden eines geeigneten Grundstücks und die Finanzierung waren schwierig, trotz einer größeren Erbschaft, die Hinz&Kunzt zugedacht worden war. Letztlich möglich wurde der Bau durch ein Geschäft unter Stiftungen. Die Amalie
Sieveking-Stiftung überlässt der Mara & Holger Cassens-Stiftung ein Grundstück auf ihrem Gelände auf Erbpacht.

Verkäufer von Hinz&Kunzt sind bei der Grundsteinlegung nicht anwesend, was Sozialpädagoge Stephan Karrenbauer bedauert. Schließlich entstehe hier ein Leuchtturmprojekt für Wohnungslose. Aber das Haus ist erst in zwei Jahren bezugsfertig. Ein schwer überblickbarer Zeitraum, finden seine Klienten. „Wer weiß, ob ich das überhaupt noch erlebe“, sagt einer lakonisch. Die Wohneinheiten sollen möbliert und mit allem Notwendigen ausgestattet werden, plant Stephan Karrenbauer: „Wenn es so weit ist, dann sollen sich die neuen Bewohner direkt zu Hause fühlen können, durchatmen und ausruhen“
Bei der Grundsteinlegung für das Hinz&Kunzt-Haus in St. Georg: Johannes Jörn, Vorstand der Amalie Sieveking-Stiftung hält die aktuelle Ausgabe des Straßenmagazins in der Hand. Sie wird gleich in kupferne Zeitkapsel gelegt.
Bei der Grundsteinlegung für das Hinz&Kunzt-Haus in St. Georg: Johannes Jörn, Vorstand der Amalie Sieveking-Stiftung hält die aktuelle Ausgabe des Straßenmagazins in der Hand. Sie wird gleich in kupferne Zeitkapsel gelegt.
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Was sofort hilft

WAS SOFORT HILFT
  • Beim städtischen Wohnungsunternehmen SAGA muss jede zweite Neuvermietung an vordringlich Wohnungsuchende gehen. Das wären rund 4.500 Wohnungen pro Jahr statt bisher gut 2.000.            
  • Wohnungen, die mal für Wohnungsnotfälle gebaut worden waren, müssen auch für Wohnungsnotfälle zur Verfügung stehen. Deshalb müssen die so genannten Freistellungsgebiete aufgehoben werden. Das sind Gebiete, in denen auch Haushalte mit höherem Einkommen eine Sozialwohnung beziehen dürfen. Dadurch würden mehr als 500 Wohnungen pro Jahr für vordringlich Suchende frei – allein durch den üblichen Mieterwechsel.            
  • Gegen Leerstand von Wohnraum und illegale Ferienwohnungen muss die Stadt konsequenter vorgehen. Die Wohnungen müssen dann an Notfälle vergeben werden. Laut Schätzungen stehen in Hamburg bis zu 3.500 Wohnungen leer – trotz Wohnraumschutzgesetz.
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Langfristige Hilfe

WAS LANGFRISTIG HILFT
  • Bei größeren Neubauprojekten muss jede zweite Wohnung eine Sozialwohnung sein. Derzeit gilt die Vorgabe: Ein Drittel sollen Sozialwohnungen sein. 2018 lag der Anteil tatsächlich eher bei einem Viertel.            
  • Die Hälfte der neu gebauten Sozialwohnungen soll an vordringlich Suchende gehen.            
  • Überall da, wo die Stadt auf die Nutzung und Vergabe von Grundstücken Einfluss nehmen kann, muss sie Investoren darauf verpflichten, dauerhaft Menschen in akuter Wohnungsnot mit Wohnraum zu versorgen.
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Zahlen und Fakten


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Kurz erklärt

Er bescheinigt: Jemand ist vordringlich wohnungssuchend und kann Hilfe vom Amt beanspruchen. Die Behörden sollen bei der Suche helfen und vermitteln im besten Fall eine Wohnung. Dafür können sie auf Wohnungen mit WA-Bindung zurückgreifen. Für Menschen in öffentlich-rechtlicher Unterbringung heißt der Nachweis: Dringlichkeitsbestätigung. 
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Bei größeren Bauvorhaben sollen zu einem Drittel geförderte Wohnungen (Sozialwohnung) entstehen. Darauf haben sich Senat und Wohnungswirtschaft verständigt. Jeweils ein weiteres Drittel wären dann frei finanzierte Mietwohnungen und Eigentumswohnungen. 2018 lag der Anteil der Sozialwohnungen bei knapp einem Viertel; nach Wohnfläche betrachtet nur bei einem Fünftel Darauf weist das Straßenmagazin Hinz&Kunzt hin. Forderung der Kampagne #einfachwohnen: Bei Neubauten sollte sogar eine 50-Prozent-Quote gelten. Jede zweite Wohnung wäre dann eine Sozialwohnung.
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Hier dürfen Sozialwohnungen auch an Haushalte vermietet werden, die besser verdienen, also über den Einkommensgrenzen für einen Paragraf-5-Schein liegen. Freistellungsgebiete sind in Mümmelsmannsberg, Neuallermöhe-West, Steilshopp und Wilhelmsburg. Wohnungen in diesen Gebieten, die frei werden und eigentlich für vordringlich Wohnungssuchende vorgesehen waren, könnten dann auch an diese vergeben werden. 
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Wer eine Sozialwohnung beziehen will braucht einen Wohnberechtigungsschein, den sogenannten Paragraf-5-Schein. Das Jahreseinkommen darf dann gesetzlich festgelegte Grenzen nicht überschreiten. Paragraf-5-Scheine stellt das Bezirksamt aus. Problem: Rund die Hälfte der Hamburgerinnen und Hamburger kann dem Einkommen nach eine Sozialwohnung beanspruchen - doch dafür gibt es bei Weitem nicht genug Wohnungen. 
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Eine öffentlich geförderte Wohnung - etwa wenn der Bauher von der Stadt einen günstigen Kredit bekommen hat. Im Gegenzug gelten für Sozialwohnungen Obergrenzen bei der Miete. Allerdings nur für eine bestimmte Frist, etwa 20 Jahre. Danach läuft die Bindung aus, die Wohnung ist keine Sozialwohnung mehr und die Miete kann erhöht werden. Wer eine Sozialwohnung bezieht, braucht einen Paragraf-5-Schein. 
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Behördenbezeichnung für Menschen in Wohnungsnot, die dringend eine Wohnung brauchen, aber allein keine finden. Sie sollen Hilfe vom Amt bekommen. Der entsprechende Nachweis ist der Dringlichkeitsschein. Vordringlich Wohnungssuchende sind zum Beispiel: Mieter, denen die Zwangsräumung bervorsteht; Familien in prekären, beengten Wohnungen; Menschen in Einrichtungen der Jugend- der Behindertenhilfe, die in eine eigene Wohnung ziehen können und wollen; Alte oder Kranke, die barrierefrei wohnen müssen; Bewohner in städtischen (Not-) Unterkünften; Haftentlassene, Obdachlose...
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WA steht für Wohnungsamt. Wohnungen mit WA-Bindung vermittelt die Stadt an vordringlich Wohnungssuchende. Problem: Es gibt zu wenige dieser Wohnungen, und ihre Zahl sinkt noch. Jährlich laufen WA-Bindungen aus - weit mehr, als die Stadt neu hinzukauft. Neue Wohnungen mit WA-Bindung werden kaum gebaut. Bei der Neuvermietung stellen nur neun Genossenschaften und die städtische SAGA eine vereinbarte Zahl an Wohnungen für vordringlich Suchende bereit. Die kampagne #einfachwohnen fordert: Mehr SAGA-Wohnungen und mehr Wohnungen in den bisherigen Freistellungsgebieten sollen an Notfälle gehen.
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Mindestens 22.400 Menschen in Hamburg sind ohne Wohnung. dazu zählen auch viele Menschen in vorübergehenden Unterkünften. Die Diakonie geht aktuell von folgenden Zahlen aus: 

  • Mindestens 1.910 obdachlos auf der Straße lebende Menschen
  • ca. 5.500 Menschen in öffentlich-rechtlicher Unterbringung oder in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe
  • ca. 15.000 wohnberechtigte Zuwanderer
Daneben gibt es eine Dunkelziffer wohnungsloser Menschen. Sie leben verdeckt auf der Straße oder z.B. als "Couchsurfer" in wechselnden Notbehelfen.
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